Ohne Plumpsklo und Schornstein

Vor 50 Jahren war er fertig, der erste Wohnblock der AWG „Spreewald“, der heutigen GWG eG in der Straße des Friedens 27 – 29. Einige der ersten Mieter wohnen noch heute in diesem Haus. Die Ausführung des Blocks war damals auf dem neuesten Stand.

Neben fließendem Wasser in Küche und Bad war die eingebaute Fernheizung das Nonplus­ultra in der Stadt. Die Ersten konnten sich noch die Wohnungsgröße aussuchen. Später wurde nach „Bedarf“, also nach der Personenanzahl, freier Wohnraum zugeteilt.

Hier ein paar Streiflichter aus
Gesprächen zum Jubiläum mit den „Alteingesessenen“:

Die Aufbauphase
Herr Mechler: „Ich kann mich noch erinnern, wie wir schippen mussten. Mal waren wir zu viel und mal zu wenig.“ … Herr Gaumer: „Was haben wir alle für Löcher gebuddelt nach Feierabend.“

Frau Richter: „Da stand ich sechs Wochen an einer Rüttelmaschine und habe Kies gesiebt. Das habe ich mit Elan gemacht. Ich wusste ja, worum es ging.“

Der Einzug
Herr Richter: „Was hat mir meine Mutter die Hölle heiß gemacht: Das Haus hat ja nicht mal ’n Schornstein, was soll das im Winter werden? Und so ’ne große Wohnung, was willst du denn da für Möbel reinstellen?“ Herr und Frau Richter waren frisch verheiratet und bekamen eine 2 2/2-Zimmer-Wohnung.
Frau Richter: „Am Tag nach der Taufe unserer Tochter kam meine Schwiegermutter einfach mit acht Frauen von ihrem Frauenkreis zu Besuch.“ … Herr Gaumer: „Ja Besuch hatten wir gehabt aus der ganzen Stadt, als Erstes immer: ‚ach so schöne große Fenster‘“. … Frau Richter: „Ja überhaupt ’ne Toilette mit Spülung, das war doch was. Wir haben uns gefreut wie die kleinen Götter. Wir kamen ja alle vom Dorf mit Plumpsklo.“

Das Zusammenleben
Herr Gaumer: „Wir waren wie eine Familie im Hause.“ „Und ihr wart unsere Babysitter, das brauchte man ja auch mal.“, so Frau Kube. „Naja, die Oma war weit weg.“, ergänzt Herr Gaumer.
Frau Wehlan: „Sieben Lehrlinge habe ich hier ausgebildet.“ Zwei Räume der Wohnung waren eine kleine Schneiderei – es gab ja keinen Gewerberaum in der Stadt.
Frau Richter: „Weil wir vom Dorf gekommen sind, waren wir das gewohnt, uns um unser Umfeld zu kümmern. Die Rasenflächen im Herbst sauber zu machen und das Schneefegen.“… Herr Gaumer: „Wenn Schnee fiel, dann ist der rausgegangen, der zu Hause war.“